Klassische Werke für Millionen, die aber (leider) nur Dutzende kennen.
Immer wieder habe ich weit jenseits des
„klassischen Kanons der Musik“ zufällig
Musikwerke kennen gelernt (z.B. in Klassikradiosendungen, als „Beigaben“ und
„Füller“ zu CDs oder auch schlicht durch „neugieriges
Probieren“). Diese sind ganz
(oder nahezu) unbekannt, weil Sie von „Kritikern“
und Musikwissenschaftlern als nicht hochwertig bewertet, nicht erkannt wurden oder weil sie nicht dem Zeitgeist entsprachen.
Melodien, Harmonien und Rhythmen mit einem besonderen "Kick".
Das galt einst auch für die Werke von JS Bach, die lange
Zeit fast völlig aus dem Musikleben verschwanden, weil der Barock
damals buchstäblich von der Klassik ersetzt wurde und als
Grufti-Musik diskreditiert wurde – Ähnlich dem,
was heute in der Rockmusik mit den Deep Purple und Pink Floyd
passiert.
Auch Bruckner wurde so erst „kürzlich“ zum
Titanen der Symphonie erkoren, was man witzigerweise an Musiklexika
ersehen kann, die vor 1950 geschrieben wurden: Als Symphoniker
werden dort nur Beethoven, Brahms und ggf. noch Mahler genannt, Bruckner
wird jedoch allenfalls in der Fußnote als Komponist aufgenommen,
der Wagner verehrte und diesem nacheiferte (Ein typisches Beispiel
dafür, dass viele Autoren „denkerische Standards“
übernahmen, ohne je diese Werke selbst gehört zu haben…).
Celibidache wusste aber: „Ich bin glücklich
in einer Zeit gelebt zu haben, die Bruckner entdeckt hat“.
Ohne musikalische Analyse oder tief schürfende Bewertungen will ich eine Liste benennen, die hoffentlich manch Einen zu einer musikalischen Entdeckung verhelfen wird.
Sommerlatte: Doina.
Ein ungeheuer spannendes Werk im seltenen 5/4 Takt, das mit
einer grandiosen Melodie,
die nach „Weltmusik“ (hier: orientalisch) klingt.
Schwerst erhältlich, was sehr tragisch ist.
Ich selbst hatte die Aufnahme in einem Klassiksender vor
ca. 20 Jahren gehört und zufällig auf Tonband aufgezeichnet, dann jahrelang vergeblich „geforscht“,
bis ich endlich eine käufliche Aufnahme fand. Mir sind überhaupt nur zwei
Aufnahmen bekannt (auch dem Enkel des kürzlich verstorbenen Komponisten sind nur 2 Einspielungen geläufig).
Rangström: Symphonie 5
Finnischer Komponist, der 5 Symphonien schrieb, die alle überragend klingen. Besonders
ansprechend ist m. E. die 5. mit obligater Orgel. Monumental, und doch unaufgesetzt.
Nordisches Flair.
Janacek: Msa Glagolskaja (Glagolitische
Messe)
Ganz anders als „Westeuropäische“ Messen. Schroff-rhythmisch,
unendlich spannend.
Auch die Sinfonietta von Janacek ist ein sehr „hörbares“
Meisterwerk, abseits des klassischen Mainstreams.
Lutoslawsky: Konzert für Orchester
Bekannt als Titelmusik des früheren ZDF-Magazins mit Löwenthal.
Expressionistisch.
Spannend. Klasse.
Piazzolla: Oblivion
Ein sehr melancholischer Tango dieses klassischen,
(Tango-)
Komponisten mit einer einnehmenden Melodie. Viele andere Tangos und Konzerte von Ihm
sind ebenfalls gefällig, wie anspruchsvoll.
Die Aufnahme mit Gidon Kremer an der Geige ist allererste Wahl.

