Aphorismen, Kommentare und Sottisen zu Bruckners 9. Symphonie mit besonderem Fokus auf das rekonstruierte Finale
Prolog
Wir weisen höflichst darauf hin, dass der folgende Text
kein gedanklich konkludentes Essay ist, sondern vielmehr unzusammenhängende
Gedanken widergibt, die in einzelnen Abschnitten zusammengefasst
sind. Also Ideensplitter, die sich in den letzten Wochen und
Monaten zusammengefunden haben (z.B. nach dem Lesen eines „kuriosen“
Booklettextes). Insofern kann man also keinen systematisch-dramatischen
Verlauf erwarten, der von (Prä) A (mbel) bis (Fa) Z (it)
logisch zusammenfließt, auch wenn dies der Anschein ist.
Intention ist lediglich eine Philippika, um zum einen den Dampf
abzulassen, der sich beim Lesen mancher unverbesserbaren Äußerungen
aufstaut, und zum anderen, um die Welt entscheidend zu verbessern.
Präambel
Es gehört zur Eitelkeit und/oder Angst der vielen „Musikwissenschaftler“
und noch vielmehr Teilzeit- und Möchtegern- Feuilletonisten,
Klappentextverfasser und Musikkritiker, folgende Art der Bemerkung
zu einer jeden Rezension über die 9. Symphonie Bruckners
zu verfassen, insbesondere wenn das rekonstruierte Finale mitgespielt
wird:
„ (…) bleibt darauf hinzuweisen, dass dies nicht
originaler Bruckner ist (…) „ oder „ (…)
Bruckner hätte sicherlich ein anderes Ergebnis vorgelegt
(…) „ und natürlich „ (…) Bruckner
starb an dieser Symphonie. Dennoch hinterließ er ein vollendetes
Werk, das mit dem Adagio kogenial endet (…) „.
Dazu zwei erste Kommentare:
1. Wir, die Hörer, sind nicht dumm! Wir:
Diejenigen, die die Aufführungsfassungen auf Tonträgern
oder in Konzertsälen endlich hören können und
dürfen.
Wird nicht immer deutlich darauf hingewiesen: „Completion
by Carragan“ oder „Aufführungsversion von Samale,
Phillips, Cohrs & Mazzuca“?
Wir empfinden nur Geringschätzung vor der Arroganz dieser
„Schreiberlinge“, die uns glauben mitteilen zu müssen,
dass Bruckner zu einem - en Details - anderen Ergebnis gekommen
wäre. Das ist logisch, bemühen Sie nicht weiterhin
Binsenweisheiten, mit denen Sie sich vor allem selbst bloßstellen.
2. Anton Bruckner selbst hat nur wenige seiner
Werke nicht selbst redigiert, verändert, „nachgebessert“
oder sogar komplett neu komponiert. Auch das Genie Bruckner
hat also auch noch Varianten und Modifikationen seiner Grundidee
zugelassen. Dennoch klingt beispielsweise die 3. Symphonie von
1873 (Urfassung, sog. „Wagnersymphonie“), von 1877
(2. Fassung) und von 1889 (3. Fassung) eben wie die 3. Symphonie
und nicht wie eine 10., 11. und 12. Symphonie.
Es gibt zwei Vervollständigungen (zunächst war ich
geneigt „Versuche“ zu schreiben, aber dies würde
dem Ergebnis kaum gerecht werden). Die Komplettierierung von
Carragan und die Rekonstruktion des Komponistenteams Samale,
Phillips, Cohrs und Mazzuca (kurz: SPCM). Beide sind später
noch revidiert und verfeinert worden (etwa, wenn neuere Erkenntnisse
vorlagen, die eine noch höhere Annäherung an Bruckner
erlaubten) und beide ziehen natürlich die Fragmente Bruckners
hinzu. Wobei die wissenschaftlich-strengere Rekonstruktion klar
die Aufführungsfassung von SPCM ist. Die Annäherung
an Bruckner ist außerordentlich hoch. Carragan, auch klanglich
gut hörbar, kommt dahingegen zu einem freieren Ergebnis,
etwa durch einen relativ hohen Anteil an selbst komponiertem
auch in Abschnitten, die nachweislich nicht Bruckners Konzept
und Skizzen entsprachen.

