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Anton Bruckner

Bruckner: Eine kleine Einführung, Das Finale der 9ten Symphonie

Bruckners Leben und Werk (in weniger als 1000 Worten):
Wie ein Stein vom Mond sei Bruckner in die Romantik gefallen, sagt Nikolaus Harnoncourt, der große Dirigent.
Tatsächlich ist Bruckner mit keinem Komponisten vor oder nach Ihm zu vergleichen (obschon natürlich Bruckners Schüler und ihn verehrende Komponisten Ihm klanglich/kompositorisch nahestehen und Bruckner selbst auch nicht unbeeinflußt von, beispielsweise, Richard Wagner und Ludwig van B. war).
Die (symphonische) Linie seit der Wiener Klassik von Haydn über Mozart und dann Beethoven hin zur Romantik mit Schubert über Schumann zu Brahms etc., wirken alle wie eine Entwicklung (Nein! Nicht im Sinne von "Verbesserung", denn schon Bach ist allerhöchste Vollendung). Bruckner passt jedoch nicht in das (Klang-, Melodie- und Harmonie-) Schema.
Obgleich er sich den gleichen Regeln unterwirft. So studierte er etwa bei Simon Sechter den "traditionellen" barocken Kontrapunkt und Komposition. Doch Bruckners Symphonik ist völlig eigen. Die Symphonien Bruckners sind ein in sich geschlossenes, aber irgendwie isoliertes Oeuvre, mit einer steten Entwicklung von den ersten Sinfonien zu den beiden Schlußwerken, der 8ten und 9ten, die den Gipfel der Symphonik überhaupt bilden (im Himalaya der "klassischen" Musik gibt es allerdings so einige impochale Höhenzüge. Sagen wir mal die 9. von Beethoven sei der Mount Everest, dann ist die 9. Bruckners der K2 und die 6. Tschaikowskys der Nanga Parbat).

So seltsam (und minderwertigkeitskomplexzerfressen?) Bruckner als „außermusikalische“ Person war, so genial und übergroß waren seine musikalischen Ideen (und, wie man liest, überragenden Improvisationen auf der Orgel). Allein das Scherzo der 9. Symphonie: Wegweisend für die nachfolgende (klassische) Musik, expressiv, neu, nie dagewesen.

Die 9. Symphonie und das Finale
Insbesondere die 9. Symphonie hat dabei eine besondere Stellung, weil sie (vermutlich) unvollendet blieb...
Aber was heißt unvollendet?
Anders als die berühmte auch so im Titel stets bezeichnete "Unvollendete" von Schubert (h-moll) oder Mahlers 10. Symphonie, ist der gewaltige Finalsatz nahezu fertig komponiert worden. Und obgleich dies so ist, gab es erst sehr spät Rekonstruktionen/Fertigstellungen des Finalsatzes. Auch dies nimmt Wunder, weil es gerade bei Bruckners Kompositionsmethodik (wahrscheinlich) weniger schwierig ist als bei anderen Großmeistern, solche Synthesen zu wagen.
Heute ist insbesondere die vorzügliche Aufführungsfassung von Samale-Phillips-Cohrs-Mazzuca (SPCM) in höchstem Maße zu empfehlen, die in Details (etwa wenn Skizzen, Particelle oder ganze Bögen wiedergefunden werden (was ähnlich spektakulär ist, wie bei den kürzlich in Australien gefunden Beatles-Memorabilien mit diversen Aufnahmen, die aber eine weltweit größere Resonanz erfuhr)) weiterentwickelt werden. M.E. ist diese Aufführungsfassung von derart hoher „Bruckner-Authentizität“, dass es eigentlich keine aufgeführte Rumpfversion mehr geben sollte. Man spielt ja auch nur selten Mozarts Requiem "fragmentiert" und auch Bachs "Kunst der Fuge", Elgars 3.Sinfonie oder Mahlers 10.Symphonie werden mittlerweile sehr häufig in "nachkomponierter", fertiggestellter Version aufgeführt (obwohl hier wesentlich mehr "Lücken" zu füllen waren). Ich selbst besitze sogar eine Aufnahme der "Vollendung" (ich denke hier allerdings eher an aufführbare Fassung) des ersten Satzes der 10. Symphonie Beethovens.

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